Starkregenereignis in Weinähr: Rückblick und aktueller Stand

Bericht des Ortsbürgermeisters – Stand: 5. Juli 2026

Am Freitag, den 19. Juni 2026, zog eine Gewitterzelle über Weinähr hinweg (siehe Darstellung von kachelmannwetter.com) und sorgte für ein Starkregenereignis mit nach Radardaten des Deutschen Wetterdienstes teilweise über 100 Millimetern Niederschlag. Die Bäche Gelbach, Ummelbach und Sülzbach stellten dabei kein Problem dar – die Wassermengen von oben waren es.

Bild vom Starkregenereignis am 19.06.2026 in Weinähr
Bild vom Starkregenereignis am 19.06.2026 in Weinähr

Viele Grundstücke blieben verschont, andere wurden deutlich getroffen. Im Hammerweg lief eine Garage mit Regenwasser voll – ebenso ein Keller in der Bergstraße und Gartenstraße. In Hinterwiesen drangen Wasser und Schlamm in mehrere Gebäude ein, unter anderem in eine Erdgeschosswohnung und in Garagen, in denen noch Umzugskisten aus einem gerade erst erfolgten Umzug standen. Auf’m Acker brach eine neu errichtete Natursteinmauer teilweise zusammen, ein Keller lief teilweise voll. Am schwersten betroffen waren ein Haus in der Hauptstraße, in dem das Wasser fast bis zur Kellerdecke stand, sowie das Weinhaus Treis. Ursache war die frisch bearbeitete Erde eines im Rahmen der Flurbereinigung angelegten Weinbergs, die den unteren Rother Weg hinabfloss – teils direkt über den Hang oberhalb des Weinhauses Treis, teils weiter den Rother Weg hinunter Richtung Hinterwiesen und Hauptstraße, wo sie die Straßeneinläufe verstopfte.

Bild vom Starkregenereignis am 19.06.2026 in Weinähr

Neben der Feuerwehr und den betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümern waren zahlreiche Helferinnen und Helfer aus dem Ort und darüber hinaus im Einsatz, bis spät in die Nacht – unter anderem kam Unterstützung aus Singhofen mit einem Traktor samt Frontlader. In den Tagen danach fanden sich weitere Gruppen bei den Betroffenen ein.

Am Samstag, den 20.06.2026, fand bereits ein erstes Treffen für eine Bestandsaufnahme vor Ort mit dem Ortsbürgermeister, dem Vorsitz der Teilnehmergemeinschaft (TG), dem Dienstleistungszentrum ländlicher Raum Westerwald-Osteifel (DLR) und dem Verband der Teilnehmergemeinschaften (VTG) statt.

Bild vom Starkregenereignis am 19.06.2026 in Weinähr

Am Sonntag, den 21. Juni, folgte nach einem Hilfeaufruf – initiiert durch den Ortsbürgermeister Florian Schliemann – für das Weinhaus Treis ein Arbeitseinsatz mit über 50 Freiwilligen vorrangig aus dem Ort, bei dem trotz extremer Hitze alle betroffenen Räume von Wasser und Schlamm befreit und zerstörtes Inventar entsorgt wurden. Die neue Inhaber-Familie des Weinhauses zeigten sich überwältigt von der Hilfsbereitschaft; inzwischen fanden dort insgesamt drei Arbeitseinsätze statt, für die sich das Weinhaus Treis nochmals mit einem Dankes-Flyer bedankt hat.

Bild vom Starkregenereignis am 19.06.2026 in Weinähr

Angesichts weiterer Unwetterprognosen (siehe Darstellung von kachelmannwetter.com) und erneutem Wassereintrag durch ein Gewitter am Sonntagmorgen (21.06.2026) wurde am Sonntagnachmittag (21.06.2026) zusätzlich der Katastrophenschutz eingeschaltet. Feuerwehr, THW und freiwillige Helferinnen und Helfer errichteten bis spät in die Nacht eine Schutzbarriere. Landrat Denninghoff und Verbandsgemeindebürgermeister Bruchhäuser waren mehrere Stunden vor Ort.

Bild vom Starkregenereignis am 19.06.2026 in Weinähr
Bild vom Starkregenereignis am 19.06.2026 in Weinähr

Am 22. Juni wurde direkt morgens vor Ort mit dem DLR, dem VTG, dem Vorsitz der TG, dem Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Rhein-Lahn-Kreises und dem Weinährer Ortsbürgermeister das weitere Vorgehen besprochen. Die Bearbeitung der zu drei Vierteln fertiggestellten Fläche wurde gestoppt, das letzte Viertel bleibt vorerst ausgesetzt. Im Vordergrund stehen seither ausschließlich Schutzmaßnahmen: Zwei Schutzwälle leiten Wasser und Geröll in die angrenzenden Grünflächen links und rechts der planierten Fläche. Die am 21. Juni errichtete Schutzbarriere bleibt mindestens über den Sommer bestehen, über einen möglichen Rückbau wird voraussichtlich im September entschieden. Auch die zusätzlichen Sandsäcke bleiben vorerst vor Ort, damit im Bedarfsfall schnell reagiert werden kann. Der untere Rother Weg ist in diesem Abschnitt zunächst einmal gesperrt.

Zwischenzeitlich war auch nochmal das THW vor Ort und hat den Schutzwall nochmals überprüft und für sicher befunden.

Über die Ereignisse berichteten unter anderem der SWR und die Rhein-Zeitung. Am 27. Juni besuchte Ministerpräsident Gordon Schnieder das Weinhaus Treis und machte sich vor Ort ein Bild von den Schäden. Zudem fand ein konstruktives Treffen mit den Betroffenen statt, bei dem Zuständigkeiten und der aktuelle Informationsstand erläutert wurden; eine weitere Versammlung für die Betroffenen ist in Planung.

Bei der Vorstandssitzung der Teilnehmergemeinschaft am 29. Juni wurde der Stand der Sicherungsmaßnahmen besprochen: Die beiden Schutzwälle samt Gräben und Wall sind fertiggestellt, loses Geröll am Hang wurde weggebaggert und die Erosionsrillen planiert. Als Nächstes erfolgt eine spezielle Schnelleinsaat zur Begrünung und Befestigung des Hangs – was von Christopher Beck, der am besagten Wochenende unermüdlich mit seinen Maschinen im Hilfeeinsatz war, ausgeführt wird.

Wie es mit dem Weinberg weitergeht, ist noch offen: Ein einfaches Fortführen des ursprünglichen Vorhabens wird es nicht geben. Mit den Eigentümerinnen und Eigentümern stehen nun Gespräche über das weitere Vorgehen an; am wahrscheinlichsten erscheint derzeit die Anlage von Terrassen, damit das Projekt nicht aufgegeben werden muss und gleichzeitig eine gewisse Sicherheit für alle bietet. Geprüft wird zudem, ob und wo zusätzliche Weinbergsmauern sowie eine feste Schutzeinrichtung am Rother Weg zu den darunterliegenden Grundstücken hin errichtet werden können.

Offen ist bislang, wer für die entstandenen Schäden aufkommt – hier sind das DLR und die ADD gefordert Klarheit zu schaffen.

An dieser Stelle möchte ich mich als Ortsbürgermeister nochmals ausdrücklich bei allen bedanken, die in den vergangenen Wochen angepackt haben – bei der Feuerwehr, dem THW, den weiteren Einsatzkräften sowie den zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern aus Weinähr und von außerhalb. Die Solidarität und der Zusammenhalt im Ort haben mich sehr beeindruckt und auch bewegt. Den unmittelbar Betroffenen, zu denen ich selbst zähle, wünsche ich weiterhin die nötige Kraft, damit alles Schritt für Schritt in Ordnung kommt.

Das Thema Hochwasserschutz, das bereits beim letzten Dorfgespräch angesprochen wurde, wird angesichts der Ereignisse konsequent weiterverfolgt. Über neue Entwicklungen werde ich weiterhin informieren.

Florian Schliemann, Ortsbürgermeister Weinähr


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